Peuterey Integrale, Mont Blanc

Es ist mittlerweile 20 Uhr, wir (Simon Wahli und ich Fabian) gönnen uns noch ein Bier. Gemütlich sitzen wir vor der Bar des Campings in Peuterey und holen uns noch die letzten Infos für unser Vorhaben, Peuterey integrale. Ueli Steck ist ebenfalls anwesend, er wird morgen starten, vermutlich ein wenig schneller als wir...
Local Mattheo zeigt uns noch ein paar Bilder mit Routenbeschreibungen, bevor wir uns in seiner Abstellkammer in unsere Schlafsäcke verkriechen. Am nächsten Morgen wird das Material noch einmal auf das Minimum reduziert und gegen Mittag starten wir zur Borellihütte, wir wollen schliesslich noch zum Einstieg laufen.
Um 3 Uhr holt uns der Wecker aus den Federn. Wir sind bald parat und starten Richtung Aiguille Noire. Die klettertechnischen Hauptschwierigkeiten unserer Tour werden wir dort am Südgrat antreffen. Wir ziehen schon recht früh die Kletterschuhe an, so können wir einen grossen Teil zusammen klettern, was enorm viel Zeit spart. Wir kommen zügig voran, langsam wird es auch hell. Am Point Ottoz entscheiden wir uns für die schwerere, aber kürzere Variante. Wir haben schliesslich noch einen langen Weg bis zum Biwak Craveri. Nach 11 Stunden hammer Kletterei erreichen wir die Madonna auf der Aiguille Noire.
Nun steht uns die berüchtigte 500hm Abseilfahrt über die zum Teil überhängende Wand bevor. Es hat immer wieder brauchbare Schlaghackenstände, wobei man den besten suchen muss, da dort schon recht viel improvisiert wurde. Dem Steinschlag ist diese Partie sehr ausgesetzt, so verlieren wir nicht viel Zeit. Ein Seilverhänger wäre dort sehr verheerend.
Unten angekommen müssen wir kurz aufsteigen, bis wir noch einmal 4 Längen abseilen müssen. Wir bemerken, dass es am Biwak kein Schnee mehr hat, so füllen wir noch die Plastiksäcke mit Schnee. Mittlerweile machen sich die Strapazen langsam bemerkbar, so sind wir froh, als wir nach dem letzten Aufstieg, der uns wegen der wirklich hässlichen Qualität des Gesteins noch einmal alles abverlangte das Biwak erreichen. Wobei Biwak fast übertrieben ist, Sardinenbüchse würde wohl eher zutreffen. Nach einem sehr feinen Menü und viel Tee legen wir uns müde nieder und versuchen, ein wenig zu schlafen.
Am nächsten Morgen erwies sich die Wegfindung doch nicht so einfach, wie wir am Vorabend annahmen. Trotzdem kommen wir zügig voran, meistens in gemeinsamer Kletterei zuerst auf dem Grat und anschliessend in der Ostwand der Aiguille Blanche. Auf dem Gipfel angekommen, türmt sich vor uns noch der letzte Teil unserer Tour auf. Noch recht weit entfernt sieht man den Mont Blanc de Courmayeur. Die Anschliessende Wand zum Pillier d’Angle erweist sich als sehr trocken, was ungewöhnlich ist. Wir sind froh, so sind wir nämlich zügig am Fuss des letzten Teilstücks. Uns erwartet noch eine Schnee-Eiswand, bis wir dann über die Wächten unser Ziel erreichen. Zuoberst wird es noch einmal interessant, da manche Stellen blank sind und wir nur ein Pickel mitgenommen hatten.
Das Gefühl, als wir endlich über die Wächte den ersten Schritt auf das Plateau machen, ist überwältigend. Doch schon bald werden wir wieder wachgerüttelt, es weht ein eisiger Wind, der uns unsere nassen Handschuhe gefrieren lässt. Nun geht’s noch gemütlich über den Schneegrat und so erreichen wir um 14.00 nach 2 anstrengenden Tagen den Gipfel des Mont Blanc. Im Gegensatz zu den Südwandrouten des Mont Blancs , sieht man auf den normalaufstiegen sehr viel Leute, Grampini und Anfänger. Ohne diese gross zu beachten nahmen wir den Abstieg in Angriff. Wir entschieden uns für die längere, aber sauberere Variante ohne Seilbahn und stiegen über die Goutethütte ab. Um 9 Uhr am Abend waren wir bereits wieder in Peuterey und genossen wieder einmal eine richtige Mahlzeit.

Ueli Steck hat übrigens mit 16 Stunden und 9 Minuten einen neuen Speedrekord aufgestellt. Gratulation!

Hier noch ein Video von Jonathan Griffith am Peuterey: http://vimeo.com/7608577

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