Vorgezogener Sommertag im Wallis oder fröhliches Body-Grillen in Sion

Was könnte eine aus dem wunderschönen Bündnerland dazu bewegen, die weite Reise ins Wallis anzutreten, sich stundenlang bei strahlend schönem Wetter mit angekündigten Temperaturen bis 20°C in den Zug zu setzen? Nun, der Motivationen gab es da gleich mehrere: der Open-Air-Swiss Cup im Bouldern, wofür die Briger Organsiatoren die Wettkampfwände im Innenhof ihres ehrwürdigen Schlosses Stockalperhof aufbauten, versprach auch für mich als Zuschauerin ein unterhaltsames Spektakel bei besten Wetterbedingungen zu werden. Hinzu kam die auf der Wettkampfausschreibung versprochene Party mit Live-Band, was den Walliser Meinungen zufolge unmöglich ein schlechter Abend werden konnte. Ja und war die durch den Lötschbergtunnel doch schon angenehm verkürzte Reise (Zürich-Brig „nur" noch 2h11min!) dann einmal vollbracht, konnte man das Wallis ja gleich mal klettertechnisch etwas genauer unter die Lupe nehmen – ganz ohne Jury-Aufsicht und Wettkampfambiente, dafür aber mit viel Genuss und Sonnenschein.
Und dann war da noch die Neugier auf jenes mir doch recht unbekannte Bergvolk der Walliser, jenen seltsamen Dialekt und der angeblich sagenhaften Geselligkeit, welche zu entdecken nun endlich die Gelegenheit gekommen zu sein schien.....

Aber alles der Reihe nach: Am Anfang stand ein durchwegs gelungener Wettkampf, gut organisiert und zügig durchgeführt. Eine interessante Neuigkeit waren die im selbigen Tal produzierten Steingriffen, welche sich durchaus bewährten. Die Schlosshofatmosphäre (oder vielleicht einfach die Neugier der Briger Gemeinde?) lockte Publikum in aussergewöhnlich hohen Zahlen an und erwies sich als bestens geeigneten Austragungsort. Brannte die Sonne doch zeitweilig ziemlich gnadenlos auf die Wettkämpfer, das Publikum und die zahlreichen Helfer nieder, so konnten die Finalrunden doch bei sehr guten Bedinungen und an spannenden Boulderproblemen durchgeführt werden. Die leidenschaftliche Unterstützung von Bündner Seiten, welchen den Wettkämpfern aus dem Publikum entgegenkam, wurde anfangs von der scheinbar unwissenden Lokalbevölkerung zwar mit viel unverständlichem Kopfschütteln abgetan. Doch die Völkerverständigung kam von Mal zu Mal, wo sich die motivierten Jungs und Mädels an ihren Boulders versuchten, besser zu laufen. Es gewannen schliesslich Nina Caprez vor Alexandra Eyer und Tabea Schwab (Damen Elite) sowie Cédric Lachat vor Remo Sommer und Mättl Müller (Herren Elite, gesamte Rangliste hier)

Kaum die Rangverkündigung über die Bühne gebracht, wurde eben jene auch schon von der Heimband „Ds Personal" in Besitz genommen; der weniger schweisstreibende Teil des Abends hatte begonnen. Hatte sie sich tagsüber vor allem im grünen Schlosspark sehen lassen, so interessierte sich die Briger Jugend nun plötzlich doch auch fürs Geschehen in „ihrem" Schlosshof und mischte sich zahlreich unter die Wettkämpfer und deren Fan- und Betreuergemeinschaft. Gab es anfangs vielleicht noch das eine oder andere Verständigungsproblem (Walliser-Diitsch, Bündner-Dialekt, Züri-Schnorrä, Bäääärnerä sowie Romandie-Französisch!!), so lösten sich diese mit dem regen Getränkeausschank zunehmends in Luft auf. Nachdem die Bar alles verkauft hatte, was es auszuschenken gegeben hatte, kehrte langsam Ruhe in die ehrwürdigen Mauern des Stockalperhofs ein. Die Motivierten machten sich auf Richtung Briger Barbetrieb, die anderen verkrochen sich in ihre Ecken, um eine kurze Nachtruhe anzutreten.

Überraschenderweise pünktlich kurz vor 9:00 (und vor allem vollzählig!) trafen wir uns am Sonntagmorgen am Bahnhof wieder: Mättu, Guido, Sämu, Ramona, Karin sowie meine noch zünftig verschlafene Wenigkeit. Die kurze Zugfahrt nach Sion wurde nochmals für ein Nickerchen genutzt, bevor uns dort der glücklicherweise recht bescheidene Zustieg zum Klettergarten erwartete: vom Bahnhof immer in Richtung des nicht zu übersehenden Schloss Tourbillons laufen, an dessen südöstlichem Fuss sich die teilweise überhängende Kletterwand befindet.
Die Temperaturen stiegen unweigerlich an und erreichten ihre Höchstwerte zweifellos während den paar Stunden, in welchen wir uns an den schönen und zum Teil sehr langen Routen versuchten. Zwar merkte man ihnen ihre zahlreichen Begehungen durchaus schon an, was sie aber nicht wirklich abwertetete: für jeden Schwierigkeitsgrad und fast jeden Steilheitsgeschmack gabs etwas zu klettern, ständig unter den wachsamen Augen der nur einen Steinwurf entfernten Sioner Anwohnerschaft. Eine kurze Glacé-Pause, bevor die letzten Angriffe bei bereits etwas erträglicheren Temperaturen (aber eben auch schon mit recht leeren Unterarmen...) geklettert werden konnten. Schliesslich hatten sich alle ausgetobt und zur Genüge von der Sonne verbraten lassen, so dass uns nur noch der erfrischende Sprung in die (zugegeben: eiskalte!) Rhone übrig blieb – auch das unter unverständlichen (französischen) Zurufen des Sioner Publikums, welches sich auf der nahen Brücke versammelt hatte und unsere Waschaktion ungläubig beobachtete...

Mit einem weiteren Glacé an der Hand traten wir die lange Heimreise an – herrlich müde und mit dem guten Gefühl, das eigentümliche Walliser Volk, oder doch zumindest seine Kletterkultur, etwas näher kennengelernt zu haben!

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by Cathrin Caprez